AUTUMNOMOUS WORLDSCHOOLER MEETING Greece, September 2016
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Das ist er – da sind wir!
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Herbst am H.O.F.

Herbst ist eine seltsame Zeit.

Es fallen die Blätter, die Pflanzen sterben langsam vor sich hin, Tiere und Garten bereiten sich auf den Winter vor. Generell mag ich den Herbst ja. Vorallem, wenn die Sonne scheint, die Blätter in allen Farben leuchten und das Licht diese unvergleichlich klare, reine Qualität annimmt. Sonnenuntergänge spielen um diese Jahreszeit alle Register, es zieht uns förmlich nach draußen in den Duft der reifen Erde.

Und trotzdem bringt er für mich Jahr für Jahr Melancholie mit sich. Schon bevor die anstrengende Zeit des Erntens und Verarbeitens vorbei ist regen mich diese nebeligen, grauen Morgen zum Nachdenken und Innehalten an. Je mehr sich die Pflanzen ihres Aufputzes entledigen, desto mehr hab ich das Gefühl, dass sich die Essenz der Dinge offenbaren möchte.

Wir beginnen uns zu verlangsamen, nach Zurück und Innen zu schauen, kommen zur Ruhe.

Dieses Jahr war der Übergang von Sommer zu Herbst für uns durch unsere Reise in den Süden derart aprupt, dass es Wochen gedauert hat, mich von meiner Überraschung zu erholen. Klar weiß ich, dass der Sommer nicht ewig andauern kann und ich freue mich auch auf die kältere Jahreszeit. Ganz besonders in unserer Gegend brauchen alle die Erholung von der vielen Arbeit im Sommer und Herbst. Tourismus gepaart mit Landwirtschaft verlangt alles ab.

Am H.O.F. war diese Saison eine unglaublich bewegte, es hat sich so viel getan und verändert:

Besucher, Besucher, Besucher

Wir hatten sehr viel Besuch, viele Gäste, viele Helper und Workawayer zum Mithelfen. Seit letztem November haben wir an der Sanierung der ehemaligen Gästewohnung gearbeitet. An die 40 freiwillige Helfer aus der ganzen Welt haben uns dabei tatkräftig unterstützt – dafür sind wir sehr dankbar! Wir hatten bis in den September hinein immer den Druck im Kopf, dass auch ja unsere Wohnung im Kellerstöckl so schnell als möglich fertig werden musste, denn wir wollten unseren neuen Mitbewohnern ein gemütliches Zuhause bieten. Bauen unter Zeitdruck bedeutet Stress für alle Beteiligten und so sind viele andere Dinge in den Hintergrund gerutscht.

Der Garten wächst…

Trotzdem bin ich unheimlich stolz, wie wunderbar sich unser Garten in diesem Jahr entwickelt hat. Wir konnten eine reiche Ernte verzeichnen und besonders von Juni bis September haben wir zum Großteil aus dem Garten gegessen. Besonders Gurken, Zucchini, Melanzani und Tomaten hatten wir in einer bisher ungeahnten Fülle und Vielfalt. Vieles davon hatten wir in solchen Mengen, dass wir fleissig eingekocht, eingelegt und sogar fermentiert haben. Dabei lernen wir beständig Neues und verfeinern unsere Arbeitsabläufe und Rezepte. Das gemeinsame „Garteln“ mit Kindern, Helpern, Mitbewohnern, Freunden und Besuchern war eine der schönsten Erfahrungen für mich.

KREATIV am H.O.F.

Die KREATIVWerkstatt ist dieses Jahr aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und es gab ab Februar regelmäßige Termine, die gut besucht waren. Den Höhepunkt meines KWS-Jahres bot mit Sicherheit unser KREATIV-Sommercamp, an dem neun junge Menschen motiviert und begeistert teilgenommen haben. Es ist schön, dass wir nun auch schon ein bisschen mehr Erfahrung haben, wo, wie und wann wir unsere Angebote bewerben. Das Netzwerk wird bunter und dichter und die Mundpropaganda tut das ihrige, um die KWS in der Region und darüber hinaus bekannt zu machen. Für die bevorstehende Ruhephase habe ich mir einiges vorgenommen, um voller neuer Energien in die neue Saison durchzustarten (Wobei es auch weiterhin regelmässige Termine auch in den kommenden Monaten geben wird!).

Wir gehen online!

Besonders freuen wir uns immer noch über die neue Homepage, die endlich Form annimmt und sich befüllt mit all den Dingen, die uns am Herzen liegen. Es war und ist nicht einfach, die Vielfalt der Angebote hier am H.O.F. in eine leicht verständliche und übersichtliche Form zu gießen. Auch hier hatten wir zahlreiche Unterstützung, ohne die wir sicher nicht so weit gekommen wären…auch für diesen Bereich freue ich mich auf den Winter. Ich hege die Hoffnung, dann weiter an den Rezepten zu tüfteln, den Blog auszubauen und ein noch reichhaltigeres und ausführlicheres Bild der Aktivitäten vor Ort online stellen zu können.

Frei lernen, frei leben

Seitdem wir unseren „Freilerner-Ort“ „1. Österreichisches Freilernerzentrum“ nennen, kommen noch mehr interessierte Menschen zu uns, um Fragen zu stellen oder einfach um einen Eindruck von dieser Art zu Leben zu bekommen. Das Medieninteresse war noch nie so groß wie dieses Jahr. Wir waren in Zeitungen, Zeitschriften, im Radio und im Fernsehen. Zu all diesen Beiträgen gab es fast ausschließlich positives Feedback, viele Menschen haben uns geschrieben, angerufen, uns besucht. Meine schönste Begegnung war mit einer pensionierten Volksschullehrerin, die nun als Oma erst zu zweifeln und zu hinterfragen beginnt, was und wie Bildung sein muss. Sie hatte den Zeitungsartikel über uns gelesen und nachdem sie in der Nachbarschaft urlaubte, ist sie eines Tages einfach so vor der Tür gestanden. Wir hatten zwei Stunden einen großartigen Austausch – es ist unsagbar schön zu sehen, dass man Menschen inspieren, ihnen Ideen und Hoffnung geben kann. Für all die Kommentare, Feedback und Anregungen bin ich sehr, sehr dankbar!

MITANANDA wachsen

Das Zusammenleben mitananda geht uns einfach und wunderschön „von der Hand“. Es ist spannend auszuloten, wo die Gemeinsamkeiten, die Berührungspunkte und die Unterschiede zwischen uns Familien liegen. Immer noch lernen wir uns kennen, beginnen erst so langsam uns zu verstehen und es kristallisiert sich Stück für Stück heraus, wie unsere Gemeinschaft in der Zukunft funktionieren will.

Aus- und Einblicke

Wir blicken nur zaghaft weiter vorwärts als die kommenden Monate. Zu sehr freuen wir uns alle auf das „Einkuscheln“, das Basteln von jahreszeitlichen Dekorationen, das vor dem Feuer sitzen und einfach nur zusammen sein. In wenigen Wochen wird hier die Hauptbesuchszeit zu Ende sein, die Weinstraße und die Region begiebt sich zur Ruhe. Noch stehen die Türen für ein paar Tage offen, die Kastanien werden gebraten, der Sturm verkostet und einige Gäste gilt es zu betreuen. Danach widmen wir uns nicht nur der Stille, sondern auch den Vorbereitungen für das Neue, das da kommen will.

Für das nächste Jahr haben wir – nicht überraschend- viele Pläne. Ein paar Fixpunkte gibt es bereits: Wir möchten das KREATIVCamp erneut anbieten und ausbauen, die „Open H.O.F.“-Tage im Sommer wiederholen, regelmäßige Tage der offenen Tür anbieten und besonders die Kooperation mit den umliegenden Betrieben und auch Bildungseinrichtungen verstärken. Der Garten soll weiter um- und ausgebaut werden, das Gästehaus wartet auf seine Fertigstellung, die Idee des „Glanzer Wohnzimmers“ kann vielleicht im kommenden Jahr Wirklichkeit werden.

Mehr können und wollen wir nicht verraten, bevor unser Winterschlaf nicht beendet ist.

Wie geht es euch so im Herbst?

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