Baustellen, Energieausgleich und Eigenverantwortung
8. September 2018
Terminvorschau 2018
30. November 2018
Show all

Dankbarkeit atmen

Erinnerungen

Facebook hat mich vor Kurzem an drei Posts erinnert. Der Erste war einer von vor drei Jahren, als wir gerade mit Hilfe unserer Helperin aus Taiwan die Trennwand im Kellerstöckl abgerissen haben. Vor lauter Staub kann man darauf nicht viel erkennen, außer das blendend weiße Grinsen von Niko und Peiju. Das zweite Bild ist zwei Jahre alt und zeigt uns mit den alten Hofmates und einer ehemaligen MITANANDA-Freundin bei der Junk Food Party in ebendiesem Raum. Die Kinder sehen da alle so viel kleiner aus, Baby Bean war damals auch wirklich noch ein Baby – und was für eines (so süße Speckringe)! Und das letzte dann vor einem Jahr, als sich die alten Hofmates gerade schon mit einem Bein auf ihrer großen Reise befanden und die neuen auf erstem Kennenlernbesuch waren.

Dieser Rückblick hat mich sehr nachdenklich gestimmt. Zum Einen hat er mich endlich dazu gebracht, die Dankbarkeit, von der ich im Kopf gewusst habe, dass ich sie eigentlich fühlen sollte, direkt in mein Herz zu lassen. Endlich dieses Gefühl wieder zu finden, dass alles seinen Weg geht. Nicht immer so, wie wir uns das vorgestellt haben, aber dafür beständig. Im Rückblick war immer jeder Schlenkerer gut und wichtig so und jeder einzelne Mensch war immer genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Und dieses Jahr?

Heuer sind wir zum ersten Mal seit Jahren alleine am H.O.F., keine Helper mehr da, die letzten Gäste sind abgereist, himmlische „Ruhe“ ist eingekehrt (die ist ja bei vier recht lautstarken Kindern immer relativ). Ich habe meinen traditionellen Herbstblues diesmal erfolgreich durch das Ignorieren des sterbenden Gartens besiegt (das Saubermachen für den Winter hat dankenswerter Weise eines unserer letzten fleißigen Helferleins übernommen). Und das anhaltend warme, fast schon frühlingshafte Wetter hilft auch.

Dieses Jahr ist wohl mit Abstand das schwierigste Jahr meines bisherigen Lebens gewesen. Ich hatte das Gefühl, ich bekomme Gegenwind aus allen Richtungen und habe mich wie ein Blatt im Sturm zerrissen gefühlt. Als ich dann ganz, ganz unten war und alles hinschmeißen wollte oder besser noch, einfach weglaufen wollte, da habe ich einen Entschluss gefasst. In ganz anderem Kontext (aber alles ist ja miteinander verbunden) habe ich ein ehrlich gemeintes, aus tiefstem Herzen empfundenes JA zu mir gesagt.

Durch dieses eine kleine Wort habe ich mich selbst aus dem Sumpf meines Jammertals gezogen. Denn ich befinde mich in der glücklichen Lage, dass ich schon immer ganz genau gewusst habe, was mich glücklich macht. Viele Menschen bezahlen Unsummen an Coaches, Gurus oder sonstigen vielversprechenden Workshops, um das herauszufinden. Ich bin glücklich, versunken, im Flow und einfach nur ich selbst, wenn ich mich künstlerisch betätige. Und das kann so gut wie alles im Kreativbereich sein, vom Schreiben übers Drucken, Malen, Töpfern, Basteln, Nähen, …

Auch meine Lieben wissen, dass ich unausstehlich werde, wenn ich kein kreatives Ventil habe. Das Dumme ist nur, dass ich immer selbst Ausreden suche, bzw. gesucht habe, warum ich nichts tun kann, oder „darf“. Kinder, Haushalt, Baustellen, Buchhaltung, Organisatorisches, und, und, und. Die Liste an sogenannten Gründen, warum etwas nicht geht, ist endlos, wenn man nicht wirklich will. Oder wie in meinem Fall, Angst hat.

Angst, wovor denn?

Ich denke, ich habe einfach richtig Schiss vor mir selbst. Vor meinem Potenzial. Vor dem, was in mir steckt. Vor dem, was herauskommen könnte, wenn ich es nur lasse. Vor dem, anderen nicht gefallen zu können. Nicht gut genug zu sein.

Aber dieses JA zu mir selbst hat mich etwas erkennen lassen: Ich habe so viele Talente und Gaben mitbekommen auf meinen Weg. Diese nicht zu nutzen und nicht in die Welt zu bringen ist ein Frevel. An mir und an allem anderen. Es ist vollkommen egal, was andere über mich denken, denn es MUSS einfach raus. Das ist der Sinn meines Lebens.

Erschaffe Wunder

Also stehe ich jetzt JEDEN Tag in der Werkstatt. Vorgenommen habe ich mir mindestens vier Stunden. Meistens werden es mehr. Es geht ordentlich was weiter. Und es tut mir so unsagbar gut. Damit geht es aber auch den anderen in meinem Dunstkreis viel besser, denn eine ausgeglichene Mama macht viel mehr Spaß (auch wenn man sie jetzt nicht mehr jeden Tag mindestens 14 Stunden sieht). Eine zufriedene Partnerin ist viel angenehmer, weil sie nicht mehr rund um die Uhr rumkeift, was die bessere Hälfte alles tun sollte/müsste/nicht getan hat.

Ich habe meinen Raum eingenommen. Bereit gestanden ist er, seitdem wir hier eingezogen sind. Und siehe da, es geschehen WUNDER.

Die Kinder kochen jetzt jeden zweiten Tag von sich aus und freiwillig und probieren neue Rezepte aus, denn sie wollen ja, dass es allen schmeckt.

Der Mann meines Lebens macht Dinge auf der Baustelle zu Ende, um die ich seit Monaten, wenn nicht Jahren geraunzt habe.

Menschen kommen auf Besuch, die mir die unglaublichsten, berührendsten Geschichten erzählen, wie wir sie inspiriert haben mit unserem Weg und unserem Projekt.

Freunde erzählen mir, dass sie große, sehr positive Resonanz zu Texten von mir bekommen.

Wildfremde Menschen lieben meine Kunstwerke und bestellen einen echten „Siakkos“.

Das Innehalten und das Spüren der Dankbarkeit in all meinen Poren ist schön. Aber das Tun ist wie das Atmen der Dankbarkeit – sie und alles drumrum kann ein- und ausfließen und mich und alles um mich damit ausfüllen. Das nenne ich Frieden.

Gute Nacht und ein wunder-volles Wochenende euch Lieben,

alles Liebe,

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.