Creative Summer Camp 2020
26. Januar 2020
Show all

Die Muße am Weg – die „Corontäne“ und ich

Gestern war der erste Tag der „neugewonnenen Freiheit“ und dies hätte wohl nicht passender der 1. Mai sein können: So viel Symbolik, von Beltane bis zum Tag der Arbeit.
Noch bin ich eher zurückhaltend und möchte dieses Gefühl, diesen Kokon, in den ich mich die letzten Wochen eingenistet habe, noch nicht zerbrechen. Zu gemütlich war es dort, so ganz eingemummelt in mir selbst, den H.O.F. nur verlassend zum Allernotwendigsten.
Nur der soziale Kontakt, der persönliche Austausch mit lieben Menschen, hat mir gefehlt.
Noch nie zuvor hatten wir einen derartig geordneten Tagesablauf, wobei sich für alle außer für mich relativ wenig verändert hat. Unser Helper, der einen Monat vor dem Lockdown hier angekommen ist, hat dazu gemeint, dass unser Leben vorher und nachher eigentlich gleich geblieben ist. Für Niko hat das mit Sicherheit seine Richtigkeit, er hat in der Nacht wie gewohnt gearbeitet und unter Tags wie immer am H.O.F. gewerkelt. Die Kinder sind ja sowieso gewohnt, zuhause zu sein. Das Einzige, das sie vermisst haben, waren ihre regelmäßigen Nachmittags-Aktivitäten. Den Mädels haben ihre Freundinnen gefehlt. Zu Beginn hatten wir viel Gespräche rund um das Thema Covid19, wir alle haben versucht Sinn aus dem Ganzen zu machen.
Ich bin die ersten beiden Wochen in eine gewisse Schockstarre verfallen, Schuld daran war sicherlich mein Medienkonsum, den ich danach stark eingeschränkt habe. Meinem anfänglichen Gefühl der Hilflosigkeit bin ich „davongelaufen“, meine regelmäßigen Laufrunden sowie die Spaziergänge „in den Frühling“ haben mir ein großes Freiheitsgefühl verschafft, das sprichwörtlich be-freiend war. Ganz klar war es für mich, ganz besonders jetzt mein Licht scheinen zu lassen, im Positiven zu bleiben, ein Leuchtturm zu sein, mich nicht von all der Angst, der Sorge um die finanzielle Komponente, der ungewissen Zukunft runter ziehen zu lassen. Schließlich: Ist die Zukunft nicht immer ungewiss?
Ich habe die Chance beim Schopf gepackt und erkannt, dass alles bereits vor Ort ist, alles bereits DA ist, wir uns ein Leben und damit eine Realität erschaffen haben, die wir lieben. Also war ich sieben Tage die Woche mindestens fünf Stunden pro Tag in der Werkstatt – meine ganz eigene kreative Klausur. In der Stille, nur mit dem Summen der Töpferscheibe, habe ich meine Erdung erfahren, meine Art der Meditation. Ich habe mich entspannt wie schon seit vielen Jahren nicht mehr.
Täglich hat mich die Dankbarkeit übermannt. Dankbarkeit für meine Lieben, mein Zuhause, die wundervolle Natur, die zu explodieren schien und uns zeigt, dass alles gut ist, wie es ist. Dankbar für meine Heimat und für diese Auszeit, die mir so viel Druck von den Schultern genommen hat: Keine Gäste, die es zufriedenzustellen gilt, keine Besucher, für die alles immer ordentlich und sauber sein muss, keine Termine, zu denen es zu hetzen gilt, keine Events, die es zu organisieren gibt, keine Taxifahrten um die Kinder irgendwohin zu bringen. Die Werkstatt, nur für mich.
Alles, was ich nur mit halben Herzen tue ist weggefallen, alle Ausreden warum ich etwas nicht tun kann haben sich aufgelöst. Ich habe mich auf noch gesündere Ernährung für uns alle, den Garten, Kuscheln und intensive Zeit mit den Kindern und meinem Mann und ganz zuerst auf mich selbst konzentriert. Was brauche ich, damit es mir gut geht? Bewegung, Natur, gutes Essen, ausreichend Schlaf und vor allem kreativen Ausdruck.
Ich werde auf diese Zeit mit viel Dankbarkeit zurück schauen und mir von all dem besonders mitnehmen, was wirklich wichtig ist für MICH und meine Familie. Bewahren möchte ich mir diese bewusste Zeitlosigkeit, die Gelassenheit, das Vertrauen in mich und den Fluss des Lebens. Die Zeit, innezuhalten, zu genießen, in der Ruhe zu sein, Verbundenheit.
Mitnehmen werde ich die Erkenntnis, dass viel von all dem Stress hausgemacht ist und ich jederzeit nein sagen kann.
Glück ist eine bewusste Entscheidung, jeden Tag.

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