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Saftfasten – Erfahrungsbericht Teil 2
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Saftfasten – Erfahrungsbericht Teil 1

me drinking my smoothie

Seit Jahren wollte ich die Erfahrung des Fastens für mich machen. Nach mehr als einem Jahrzehnt fast durchgehendem Dauerstillens – bei dem ich meine Energien für die kleinen Saugmolche gebraucht habe – ist es nun heuer endich soweit. Gemeinsam mit Freunden nehme ich sieben Tage nichts Festes zu mir. Ich möchte euch einen kleinen Einblick mit diesem Fastentagebuch und im zweiten Teil noch eine kurze Anleitung für Interessierte geben.

Vorbereitung

Zur Einstimmung habe ich am Vortag nur Gemüsesuppe gegessen und schon mal vorsorglich viel getrunken. Meine „Komplizen“ von der Obenaus Community haben mich mit Kräuterteemischungen, konzentrierter Samennahrung für essentielle Fettsäuren und Vitaminen in der Tube und guten Ratschlägen versorgt. Ich habe mir immer wieder gut zugeredet, dass ich das auch schaffen kann, wenn ich nur wirklich will…

Tag 1: Panik!

Normalerweise esse ich in der Früh nichts, sondern trinke mindestens 400ml Wasser. Laut Plan sollte ich aber mein letztes festes Essen für die nächsten sieben Tage zu mir nehmen: einen Apfel. Da ich aber den gesamten Vormittag sehr mit wichtigen Telefonaten beschäftigt war, stand der aufgeschnittene Apfel rum und wurde braun. Mein Kopf sagte: Das schaffst du NIE! Mir war schon mal vorsorglich übel. Nichts essen für so lange Zeit, das war doch einfach wirklich verrückt…und der Hunger wird mich umbringen! Statt frühs habe ich dann meinen Apfel kurzfristig in den grünen Smoothie gegeben, den ich auch eigentlich zum Frühstück trinken sollte und mein erstes Powertübchen habe ich kurzerhand in den Smoothie gerührt, denn der Geschmack war vorsichtig ausgedrückt „gewöhnungsbedürftig“.

Danach war ich bei strahlendem Sonnenschein spazieren. Dabei habe ich viel über Verzicht und unseren unglaublichen Wohlstand nachgedacht, denn im Gegensatz zu mir, die ich sicher weiß, dass ich nach den sieben Tagen wieder genug zu essen haben werde, haben diese Sicherheit Millionen von Menschen auf unserem Planeten nicht. Am Nachmittag wurde mir schwindlig und der erste Hunger tauchte auf. Um mich abzulenken bin ich in die KREATIVwerkstatt gegangen und habe endlich mal wieder selbst getöpfert. Die Taktik war sehr erfolgreich! Fast hätte ich meine Gemüsebrühe vergessen, die ich abends zu mir nehmen sollte. Ohne Salz und Öl, dafür aber mit vielen Kräutern und Gewürzen hat mir dieses Gebräu dann doch überraschend gut geschmeckt. Das Energiepaket für abends war dann auch nicht so übel und hat mir ausreichend Kraft für unser Abendritual gegeben. Allerdings bin ich vor Erschöpfung mit den Kindern mit eingeschlafen und habe erstaunlicherweise gut geschlafen.

Tag 2: Warum ein Zwölfstundentag beim Fasten keine gute Idee ist

Heute klingelte mein Wecker um sechs Uhr frühs. Wer mich kennt, weiß, ich bin kein Morgenmensch. Interessanterweise bin ich doch leicht hoch gekommen, musste meinen Smoothie in Windeseile runterwürgen und bin los zum Zug, um den ganzen Tag in Graz einen sehr interessanten Workshop zum Thema Onlinemarketing zu besuchen. Ausgerüstet mit meinen Teemischungen und Wasserflasche war ich guter Dinge. Nicht gerechnet allerdings hatte ich mit den Temperaturen von -12 Grad und dem doch sehr langem Fußmarsch vom Bahnhof zum Veranstaltungsort. Endlich angekommen war ich gleich mal völlig erledigt. Aber acht Stunden jemandem zuzuhören, der was Interessantes zu erzählen hat, ist immer noch weniger anstrengend als die Affenbande zuhause zu bändigen.

Nur die Mittagessenpause war mühsam, denn an meiner kleinen Tube zu zuzeln war nicht gerade das, was ich mir unter einer erholsamen Pause vorstelle. Nun ja, zumindest war erstaunlich wenig Hunger da, nur am Nachmittag wurde mir ein wenig schwummrig, aber das Gefühl habe ich weggetrunken. Am Nachhauseweg gabs mal wieder zehn Zentimeter Neuschnee und ich habe zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl gehabt, rein gar keine Energie mehr übrig zu haben. Als ich endlich von meiner Familie vom Bahnhof abgeholt wurde, war ich kaum in der Lage alle zu begrüßen. Stattdessen ließ ich mich nachhause bringen und bin dort nach dem Verzehr meiner Gemüsebrühe vorm Fernseher erschöpft eingeschlafen. Ich weiß jedenfalls jetzt, wieso es beim Fasten ratsam ist, nicht viele Termine und anstrengende Tagesabläufe zu planen.

Tag 3: Extreme Temperaturen und das erste Tief

Angeblich kommt der erste Durchhänger am dritten Tag und ich bin keine Ausnahme. In der Früh war ich nicht in der Lage, aus dem Bett zu kommen. Glücklicher Weise habe ich eine liebevolle Familie, die meine Spinnereien unterstützt. So wurde mir am Bett mein Smoothie-Lebensretter serviert, gefolgt von einer großen Kanne Ingwer-Zitronentee. Nach dem Verzehr von den mindestens eineinhalb Litern Flüssigkeit ging es mir soweit besser, dass ich endlich den Tag starten konnte, wenn auch sehr schwach. Ich habe mir den Ratschlag von einer guten Freundin, dass ich mich in dieser Zeit selber verwöhnen sollte, zu Herzen genommen, und mir ein Malwochenende und einen Friseurtermin organisiert.

Das Essenkochen habe ich an die Kinder deligiert (die angeblich sehr delikate gebratene Nudeln gekocht haben) und beim Essen war ich dann zum Ausruhen im Bett. Kochen während des Fastens funktioniert für mich nicht, zu sehr bin ich versucht zu kosten oder mir Kleinigkeiten unbedacht in den Mund zu stecken. Am Nachmittag war Offene Werkstatt mit lieben Freunden und den Kindern, die tolle Fotos für die kommenden Workshops mit Sean Langton gemacht haben. Gezwungenermaßen war ich doch eher schaumgebremst im Hintergrund, aber das tat den Bildern und der Stimmung keinen Abbruch (ersparen wir uns hier blöde Kommentare!). Einmal mehr bin ich mit den Kindern ins Bett gefallen und ich bin mir sicher, sie sind erst nach mir eingeschlafen.

Tag 4: Halbzeit und Kältehöhepunkt

Ich war sehr früh munter und erstaunlich fit. Wegen der unglaublichen Temperaturen von -16 (!) Grad habe ich mich dann aber doch auf der Couch eingeigelt und bin erst gegen elf zum Arbeiten gekommen. Heute habe ich mich nach einer großen Kanne Ingwertee in der Früh dann doch dafür entschieden, das Highlight des Tages, den grünen Smoothie, erst zu Mittag zu genießen. Niko und die Kinder haben den Schnee und die Kälte zur Reinigung der Teppiche genutzt und ich habe mich zum Schreiben ins Büro zurück gezogen (man sieht, das Fasten hat auch seine Vorteile!). Ich spüre heute meine Nieren irgendwie seltsam und versuche, noch mehr Flüßigkeit zu mir zu nehmen und zusätzlich dazu Bentonit zur Entgiftung zu trinken (Achtung: schmeckt wie graue Kreide). Ich habe heute noch ein paar Termine, aber bin echt guter Dinge, denn…es ist Halbzeit und ich kann nicht fassen, dass ich es bereits so weit geschafft habe! Ein herzliches Dankeschön an alle, die mir gute Ratschläge gegeben haben und an mich gedacht haben. Ein besonderer Dank gilt den fünf Engeln in meinem Leben, ohne euch wäre all das nicht möglich! <3

Nachdem dieser Text doch jetzt schon sehr lang geworden ist, gibts den Rest für euch in Teil 2 – wens interessiert.

Alles Liebe!

Photos courtesy of Veteran Photography.

 

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