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16. November 2018
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Baustellen, Energieausgleich und Eigenverantwortung

Neverending construction sites inside and outside: Bagger-Action Frühling 2017

Sommer 2018

Es war den ganzen Sommer über hier recht ruhig um uns. Wer uns mitverfolgt hat, der weiß, dass das zumeist nicht heißt, dass nichts los war am H.O.F. – im Gegenteil!
Ich bin vor lauter Reisen (Wir haben Vanity, unser WOMO, mit einer Tour durch zehn Balkanländer eingeweiht!), Freilernertreffen, Besuchen von Familie und Freunden, garteln, ernten und verarbeiten, Baustellen, Gästen und dazwischen auch mal Luft schnappen und den Sommer genießen zu wenig „nebenher“ gekommen.

Das Jahr 2018 hats definitiv in sich! Es hat mit Volldampf mit all dem Hin und Her mit neuen Mitbewohnern, temporären Hofmates, Beziehungstroubles, neue Selbständigkeit, finanziellen Schwierigkeiten, Loslassen und Neubeginn angefangen und seither nicht mehr aufgehört uns zu fordern. Aber bekanntlich wächst man ja mit der Herausforderung.

Klarheit und Grenzen

Ich merke immer stärker, wie wichtig auf unserem Weg die Klarheit ist, daher nehme ich mir heute die Zeit, darüber zu schreiben. Viele Besucher und Gäste kommen an den H.O.F. mit einer ganz bestimmten Erwartungshaltung. Oft aber wird diese nicht im Voraus kommuniziert und wir wissen auch noch nicht so wirklich, wie wir den Spagat zwischen Gastfreundschaft, individuellem Angebot, finanziellem Druck und Privatssphäre schaffen sollen. Dies führt zu eher unangenehmen Situationen, denn diese Erwartungen liegen unausgesprochen von beiden Seiten in der Luft. Ich fühle mich davon recht schnell unter Druck gesetzt, kann aber auch schlecht zu einem mir fast unbekannten Menschen hingehen und fragen, was er/sie denn nun genau von mir, Niko, den Kindern, dem Aufenthalt bei uns will?

Je länger wir den H.O.F. betreiben, desto wichtiger scheint es, genaue Grenzen abzustecken, damit sich hier alle wohl fühlen können. Besonders mir fällt es aber sehr schwer, meine eigenen Grenzen zu orten und zu wahren. Zu oft meine ich, ich muss Perfektes (haha) bieten, muss allen Erwartungen gerecht werden, bin vielleicht nicht kompetent oder gut genug. Dabei geht es hier ja genau um das MITANANDA – das heißt das freudvolle Miteinander von Groß und Klein, wo alle von allen lernen können.

Eigenverantwortung und Unvollkommenheit

Es geht um die Eigenverantwortung: Jeder, der hierher kommt, ist für seine Glückseeligkeit alleine verantwortlich. Wir bieten keine Kinderbetreuung, bespaßen unsere Besucher nicht und drängen uns und unsere Ideen niemandem auf. Wer für kurze oder längere Zeit hier leben möchte, der ist herzlich eingeladen, sich einzubringen und Teil dieser Idee zu sein. Wir freuen uns sehr über sinnvollen Energieausgleich und müssen gleichzeitig darauf hinweisen, dass es nur mit Tauschen oft nicht getan ist (denn unsere Rechnungen lassen sich nicht mit Marmelade oder Kuchen begleichen). Aber wir können und wollen niemanden mitziehen, haben keine Patentlösungen für eure Probleme und sind kein Zufluchtsort fernab jeder Realität.

Wir alle sind perfekt unvollkommen und somit ganz einzigartig liebenswert. Wir schaffen es oft nicht dem Chaos im Haushalt und Garten Herr zu werden. Es türmt sich die Wäsche, es liegen Spielsachen, Baumaterialien und Werkzeuge herum und die Küche klebt schon wieder – wovon denn jetzt schon wieder? Wir alle haben Tage, an denen rein garnichts geht. Tage, an denen wir zweifeln an allem und jeden, am liebsten die Decke über den Kopf ziehen oder davonlaufen möchten. Ich wünsche mir und uns den Mut, unser Unperfektsein zu zeigen, die Verletzlichkeit zur Schau zu stellen, die Kraft, unsere Fehler als Stärken zu sehen!

Baustellen und Eigeninitiative

Es gibt viele angefangenen Baustellen am H.O.F., wirkliche und im übertragenen Sinne. Wir sind uns unserer Unfertigkeit durchaus sehr bewusst. Manches Mal treibt es mich auf die Palme, dass hier und dort immer noch kein wunderschön gepflegter Rasen, Garten, Terrasse, Weg, Zubau, Vorplatz, Gemeinschaftsraum, … ist. Niko und ich stressen uns jedes Mal aufs Neue im Kopf, denn wir wollen ja gefallen, erfolgreich sein, Gäste anziehen. Und wir schaffen es nicht alleine und ohne Hilfe.

Aber nach vier Jahren und vielen hingeworfenen Konzepten, Ideen und Träumen muss ich zugeben, dass wir halt immer nur wir sein können. Wenn dich die unfertige Terrasse vor dem Gästehaus stört, dann laden wir dich ein, sie mit uns fertig zu bauen (und dabei neue Fertigkeiten zu lernen!). Wenn du über ein verdammtes Legoteil stolperst, dann räums zurück. Wenn du den Garten überwuchert vorfindest und dies deinem Harmoniebedürfnis widerspricht, dann zeigen wir dir gerne, wo die Gartengeräte sind.

Wir schätzen Offenheit und Ehrlichkeit und lassen sehr gerne mit uns reden, wenn dies achtsam und respektvoll geschieht. Frag doch einfach, wenn du dich nicht auskennst, sag doch, wenn dich was interessiert oder stört. Wir sind sehr gerne bereit, aus unseren Fehlern zu lernen, wenn du uns dabei hilfst, sie zu verstehen.

Klartext

Erfreulicher Weise scheint der H.O.F. immer bekannter zu werden und größere Kreise zu ziehen. Die letzten beiden Jahre kam es einige Male vor, dass interessierte Menschen einfach so an unserer Tür geklopft haben. Ich weiß dann nie, was ich damit anfangen soll, denn ich fühle mich überrumpelt und in meiner Privatssphäre gestört (vor allem, wenn Besuche vor neun Uhr stattfinden). Fühle mich schon fast wie ein Afferl im Zoo. Wir nehmen uns wirklich gerne Zeit für euch und freuen uns über das ständig wachsende Interesse an unserem Projekt. Wenn ihr unsere Zeit in Anspruch nehmen möchtet, dann bitte um Voranmeldung und um einen angemessenen Energieausgleich.

Wir alle brauchen nach wie vor Geld, um zu überleben. Niko und ich würden uns sehr wünschen, wir könnten darauf verzichten. In Wahrheit ist Geld aber nur eine Krücke, ein Hilfsmittel, ein Spiel im Zusammenleben. Und Spiele brauchen klare Regeln. Wir haben zur Zeit um die drei Anfragen pro Woche, ob man uns nicht besuchen kommen könnte, weil man Fragen zum Thema Freilernen etc. hat. Wir können einfach nicht drei Nachmittage pro Woche mit fremden Menschen Kaffee trinken und unsere Arbeit liegen lassen. Wer unsere Zeit und unsere Expertise in Anspruch nehmen möchte, der muss wie im echten Leben auch dafür bezahlen. Bei uns in Form einer Spende in die Vereinskassa, damit wir auf den Baustellen mal endlich weiter kommen können und das H.O.F.Angebot weiterhin bestehen bleiben kann.

Eine Buchung im Gästehaus ist nur die Buchung einer Unterkunft. Dies beinhaltet nicht, dass wir uns automatisch für all eure Fragen, Ideen und Sorgen zur Verfügung stellen. Oder dass unsere Kinder als Spielgefährten rund um die Uhr dienen. Wir sind hier nicht auf Urlaub – schön, wenn es von außen auf Besucher manchmal so wirkt. Wir alle brauchen unseren privaten Rückzugsraum und haben jederzeit das Recht, Nein zu sagen. Unser Angebot in den Freilerneralltag reinschnuppern zu können bedeutet nicht, dass wir jederzeit verfügbar sind.

Conclusio

Ich wiederhole mich, denn mir fallen diese Zeilen sehr schwer und ich versuche krampfhaft, mich nicht zu rechtfertigen. Dabei freue ich mich ja selber auch, wenn ich vorab weiß, was mich erwartet. Denn nur dann kann ich entscheiden, ob das Angebotene für mich passt oder ich mich lieber nach Alternativen umschaue. Aber ich möchte es am liebsten ALLEN recht machen (obwohl mir durchaus bewusst ist, dass das ein Ding der Unmöglichkeit darstellt).

Aber es ist Zeit: Take it or leave it!

In Liebe und Dankbarkeit für unseren holprig-hopsigen Weg und all die Geschenke der Menschen, die einen Teil davon mit uns gehen,
eure

2 Kommentare

  1. Ina Grasberger sagt:

    Liebe Karin,
    ich kann verstehen, dass es schwierig ist, es allen recht zu machen. Als ich letzten Sommer angefragt habe, ob wir zu Besuch kommen können, ist es mir, auf deine Frage hin, was wir uns vorstellen, auch schwer gefallen, unsere Erwartungen zu formulieren. Einfach deshalb, weil ich nicht wusste, was mich bei euch erwartet, oder was ihr bereit seid anzubieten. Ich war schließlich noch nie da.
    Meine spontane Idee dazu wäre, dass es mir geholfen hätte, ein etwas konkreter formuliertes Angebot auf eurer Website zu sehen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem fixen Besuchstag pro Woche oder Monat, an dem alle Interessierten kommen können. Ihr erzählt was übers Freilernen und die Leute können Fragen stellen. Vielleicht bietet ihr noch was kreatives in der Töpferwerkstatt dazu an.
    Ich kann jetzt nur von mir ausgehen, aber mir hätte es geholfen, zu wissen, was mich denn bei euch erwartet. Die Bitte um eine Spende in die Vereinskassa ist natürlich völlig legitim, ihr müsst auch leben und ihr dürft es euch auch wert sein. Ihr liefert schließlich wertvolle Informationen.
    Aber mich persönlich verunsichert sowas immer, weil ich es schwierig finde einzuschätzen, welcher Betrag angemessen ist. Ich will schließlich auch nicht zu wenig geben. Mir ist es fast lieber wenn es einen festen Preis gibt und ich mir keinen Kopf machen muss.

    Ich wünsche euch ein tolles, erfolgreiches, entspanntes Jahr 2019. Macht weiter so. Euer Projekt ist toll.

    Vielleicht schaffen wir es ja dieses Jahr dann mal zu euch (natürlich mit Voranmeldung)

    Liebe Grüße aus Bayern
    Ina Grasberger

    • Karin sagt:

      Liebe Ina!

      Herzlichen Dank für deinen ausführlichen Kommentar! Ja, was und wie und überhaupt wir anbieten, das kristallisiert sich immer mehr heraus, je länger wir das tun. Nachdem es ein solches Angebot wie unseres meines Wissens nach nur einmal gibt, können wir da auch auf keine generellen Erfahrungen zurück greifen und lernen wie immer mitten im Tun…Wir sind aber zu demselben Schluss gekommen wie du und daher gibt es nun jeden ersten Samstag im Monat den „OPEN H.O.F.“, an dem Interessierte kommen können und Fragen stellen können. Würden uns freuen, wenn wir euch 2019 am H.O.F. begrüßen dürften! Alles Liebe und Gute fürs Neue Jahr! Karin

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