Die große Reise – und was wir auf dem Weg gefunden haben
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Jahresrückblick 2019

Facebook hat mich heute an einen Jahresrückblick von vor ein paar Jahren erinnert und das hat mich inspiriert, auch für dieses Jahr einen Text zu verfassen. Es ist schön, wenn man sich zurück erinnert an die Höhen und Tiefen, die Glücksmomente und die schwierigen Tage und sich besinnt, was im letzten Jahr passiert ist auf unserem gemeinsamen Weg.

Es war definitiv das Jahr der Entscheidungen und der Familie.

Highlights

Der absolute Höhepunkt dieses Jahres waren für mich die Lehrerfortbildung im Sommer einerseits und unsere große Reise im Herbst andererseits.

Die Lehrerfortbildung war mit sehr viel Stress, finanziellen Investitionen und einer ziemlich umfangreichen Bautätigkeit verbunden, die bereits im Januar begonnen hat und uns einiges an Nerven gekostet hat. Besonders ich wollte für diese österreichweite Veranstaltung mit 18 angemeldeten Lehrern aus ganz Österreich dass alles perfekt ist (ein altes Leiden!).

Als dann vieles anders gekommen ist als geplant und erwartet ist es mir sehr schwer gefallen die Ruhe zu bewahren und zu vertrauen, dass sich alles doch irgendwie ausgehen wird. Wieder einmal war es ein unglaublicher Tanz zwischen Niko und mir zwischen Vertrauen, Druck, Trotzreaktionen und Wut auf den anderen. Ich vermute ja fast, dass dieses bedingungslose Vertrauen ineinander unsere Lebensaufgabe als Partner ist…

Unser Trip war ein Ausflug in die Welt der reisenden Familien, oder Worldschoolers und hat uns viele neue Bekanntschaften und augenöffnende Erkenntnisse gebracht. Ganz besonders aber hat es uns noch mehr als Familie zusammen geschweißt und gezeigt, wie gerne wir – auch auf engstem Raum – Zeit miteinander verbringen und Neues erleben und lernen. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich freue mich sehr, dass wir es in den letzten Jahren doch zumindest einmal im Jahr geschafft haben, auf eine größere Reise zu gehen und dabei in unserem Wohnmobil „Vanity“ eine so treue Begleiterin gefunden zu haben.

Tiefpunkte

Selten war ich so verzweifelt wie dieses Jahr während der Vorbereitungen zu unserer Lehrerfortbildung, was wieder einmal zeigt wie nahe das Gute und das Schlechte doch beieinander liegen und wie sehr das Licht und der Schatten nur zwei Seiten derselben Medaille sind.

Zu Jahresbeginn hatten wir einen finanziellen Totalreset, der zur Folge hatte, dass Niko sich einen Job gesucht hat und nun seit fast einem Jahr jede Nacht in unserer Region Zeitungen ausführt. Gerade zu Beginn war diese Umstellung für uns alle schwierig und es hat doch drei Monate gedauert, bis wir uns an die veränderten Bedingungen gewöhnt haben und uns ein wenig erholt hatten.

Besonders für Niko war und ist die Doppel- und Dreifachbelastung von Job mit Schlafentzug, Baustellen und Familie, Haushalt, H.O.F.-Alltag doch sehr fordernd. Auch wenn ich zu Beginn nicht verstanden habe, warum er sich gerade eine solche Betätigung aussucht bei all seinen Talenten und Kompetenzen, so bin ich ihm doch unendlich dankbar dafür, dass er mir damit den Rücken freihält um weiterhin meinen Träumen nachgehen zu können und die Flexibilität bewahrt, Workshops und Events fast beliebig einteilen zu können.

Dieses absolute Tief in unseren Finanzen war aber im Nachhinein gesehen sehr wichtig, denn es hat mich dazu gebracht ganz genau hinzuschauen, was ich und wie ich es will. Ich habe intensiv begonnen tägliche Dankbarkeitsrituale für mich einzuführen und habe ganz bewusst meinen Fokus auf meine Wünsche und Ziele gerichtet. Das hat alles verändert. Nicht, dass ich in der Zwischenzeit ein Profi bin und manchmal entgleisen mir meine Gedanken immer noch, aber diese Mindsetarbeit war heuer der Schlüssel zu mehr Glück, Zufriedenheit, Erfolg und Erfüllung.

Klarheit

Mit einem Mission Statement der KREATIVwerkstatt und einigen Interviews, Texten und Berichten zu unseren Projekten kam auch verstärkt die Klarheit, wie es für uns weitergehen soll. Wir haben mit der Einführung des OPEN H.O.F.s heuer definiert, wie wir uns Besuche und Kontakte am H.O.F. zukünftig wünschen. Auch für andere Gäste bei uns werden wir uns immer klarer, wie wir uns Besuch vorstellen und welche Angebote wir gerne anbieten möchten.

Auch dies passt sehr gut in das Bild, dass wir uns 2019 endgültig an unserem Platz und in der Südsteiermark verwurzelt haben. Wir lieben es, Menschen von überallher zu begrüßen und Gastgeber zu sein und wir haben verstanden, dass das Definieren von unseren Angeboten und Bedingungen auch für die Anderen nur Vorteile bringt. So gibt es (weniger bis) keine enttäuschten Erwartungshaltungen mehr und wir können uns unser Wunschpublikum anziehen, das sich hier wohl fühlt und zu uns passt.

Entscheidungen und Erkenntnisse

Zu Jahresbeginn hatte ich die fixe Idee, dass ich eine weitere Ausbildung machen möchte und habe viel Zeit und Energie darin verwendet, Unterstützung und Möglichkeiten zu finden, wie ich das verwirklichen kann. Nachdem alle diese Versuche nicht gefruchtet haben, habe ich für mich zum ersten Mal wirklich erkannt, dass ich bereits alles vor Ort habe um das zu leben, was und wer ich bin.

Ein Schlüsselerlebnis dabei war das Schreiben meines Lebenslaufes, etwas, das ich seit 20 Jahren nicht getan hatte. Plötzlich hat sich meine ganze Einstellung, mein Selbstwertgefühl und die Art und Weise wie ich über mich selbst denke verändert und damit natürlich auch das, was ich ausstrahle. Vielleicht bin ich erst dieses Jahr wirklich hier oder auch bei mir angekommen.

Im Frühjahr dann habe ich eine große Entscheidung getroffen und bin als aktives Vorstandsmitglied des Vereins „Netzwerk der Freilerner“ ausgestiegen bzw. habe eine zweijährige Pause verkündet. Bis heute bin ich darüber froh und erleichtert, denn es hat mir ermöglicht mich voll und ganz auf meine eigenen Projekte, den H.O.F. und die KREATIVwerkstatt, zu fokussieren.

Trotzdem war ich überrascht, wie sehr meine Arbeit für den Verein in den letzten 12 Jahren doch auch mein Selbstbild geprägt hat und ich mich stark mit und über diese Gruppe von großartigen Menschen, die liebe Freunde von uns sind, definiert habe. Ich bin stolz und glücklich, dass das Netzwerk mittlerweile auf solch breiten Beinen steht, dass die wertvolle Arbeit auch ohne uns weitergeht – ein Danke dafür an alle, die sich für selbstbestimmte Bildung in Österreich einsetzen!

Beim diesjährigen Kreativ-Sommercamp hatten wir einen neuen Teilnehmerrekord und zum ersten Mal hat sich der Aufwand für uns auch wirklich rentiert. Der neue Seminarraum hat sich auch hier als sehr praktikabel erwiesen und mithilfe einer besonders tollen Helperin und weiteren lieben Menschen, die uns zur Seite gestanden sind, haben wir diese bunte Woche sehr gut und erfolgreich über die Bühne gebracht. Es ist wunderschön zu sehen, wie Visionen Wirklichkeit werden und immer größere Blüten tragen. Plötzlich war mir eines klar: Wir haben hier einen BE-Saal (Kunsterziehungsraum) für mich erschaffen, nur ohne Schule drumrum!

Auf- und Durchatmen

Der zweite Teil des Jahres war durch Nikos Verletzung im August und unsere Abwesenheit durch die Reise bautechnisch sehr ruhig. Zum ersten Mal in den fünfeinhalb Jahren unserer Zeit hier in der Südsteiermark hatten wir keine dringlich anstehende Baustelle und ein bisschen Zeit zum Verschnaufen und ein paar offene Fäden zusammen zu ziehen.

Die zweite Jahreshälfte war aber auch sehr turbulent und erfolgreich in der KREATIVwerkstatt. Ich hatte das Gefühl, dass sich nun endlich die vielen Bemühungen und das viele Rudern ausgezahlt haben. Nicht nur spricht sich die Werkstatt bei den Nachbarn und den Gästen in der Region immer mehr herum, sondern auch diverse Institutionen wie Schulen, Kindergärten und Sozialeinrichtungen nehmen von unserem Angebot Gebrauch. Die Kurse an der VHS Leibnitz sind gut gebucht, mit dem TamanGa in Gamlitz haben wir einen wundervollen Partner für Seminare gefunden und die Angebote am Steiermarkhof in Graz sind bis weit im Vorhinein ausgebucht.

Diese Entwicklungen motivieren mich ungemein, weiterhin mein Bestes zu geben und an meinem Lebenstraum festzuhalten – danke an alle, die 2019 Teil davon waren!

Regionalität & Gemeinschaft

2019 stand für uns im Zeichen der Vernetzung in der Region. Je länger wir hier leben, desto mehr können wir die Menschen und Juwele der Südsteiermark wert schätzen. Auch, wenn wir 2014 hier sehr freundlich aufgenommen wurden, so hat es doch ein paar Jahre gedauert, um wirklich im Bewusstsein der Einheimischen anzukommen – aber das Durchhalten hat sich gelohnt!

Kooperationen mit den Bäuerinnen und Landfrauen der Gegend, der Gemeinde, privaten Initiativen in und um Leutschach, Gamlitz, Ratsch und Arnfels waren sehr nährend und gewinnbringend für uns alle. Die Menschen hier sind ehrlich und verlässlich und vorallem halten sie zusammen. Wir schätzen die gelebte Nachbarschaftlichkeit und die Erdung der Menschen hier, die zum Großteil vom Weinanbau leben.

Die historisch gewachsene und zum Großteil funktionierende Gemeinschaft dieser Region hier hat uns unseren Gemeinschaftswunsch immer mehr überdenken und verändern lassen. Ja, wir als Familie sind schon eine Gemeinschaft, die es zu leben gilt. Aber darüber hinaus wollen wir Teil sein der Gemeinde hier, denn immer stärker sehen wir den Sinn des Lebens darin zu teilen und einem größeren Ganzen zu dienen.

Die Besonderheiten der Region offenbaren sich nicht auf den ersten Blick, man muss schon genauer schauen und suchen. Aber was man findet, das ist wunderbar bereichernd und einzigartig schön. Danke an alle, die uns hier in der Südsteiermark ihr Vertrauen geschenkt haben!

Kinderhof

Tamino wurde dieses Jahr mit 14 mündig und hat begonnen, noch mehr aktiv Teil zu sein bei den Bautätigkeiten am H.O.F., wo er als wichtiger Bestandteil voll mitgearbeitet und verputzen, mauern, Elektrik verlegen usw. gelernt hat. Er hat seinen Tierbestand als guter Hirte weise wo nötig verringert bzw. auf der anderen Seite weiter ausgebaut.  Zum ersten Mal überhaupt hat er mich bei Veranstaltungen wie Vorträgen und Lesungen begleitet und dort selbstbewusst über seinen Weg und unser Leben erzählt. Er konnte die Fischerprüfung erfolgreich absolvieren und hat sehr praktisch viel über das Fischen in fließenden Gewässern gelernt.

Am H.O.F. war er federführend für den „Kindergarten“ zuständig, der diese Saison wohl am meisten Ernte eingefahren hat. Er hat an ein paar Schachturnieren teilgenommen und ist mit konsequentem Training seinem Ziel, auch einmal an einem Boxturnier teilnehmen zu können, um einiges näher gekommen. Still und leise ist er mir über den Kopf gewachsen und mit Stimmbruch und Muskelaufbau war plötzlich das Kind in ihm verschwunden.

Allegra hat an zwei wundervollen Theaterproduktionen teilgenommen und war dort Teil einer sehr altersgemischten Gruppe von Theaterbegeisterten, wo sie auch ein paar neue Freundinnen gefunden hat. Sie wurde im Laufe des Jahres zu einem unverzichtbar wertvollen Teil meiner Englischkurse im EKIZ Süd und in Kindergärten, wo sie der Liebling aller teilnehmenden Kinder ist. Sie hat mich auf diversen Kunsthandwerksmärkten begleitet und dort fast selbständig Workshops geleitet und bei allen Auf- und Abbautätigkeiten mitgeholfen.

Im Sommer war sie oft auch nur mit ihren Freundinnen im Freibad, wo sie erfolgreich an einem Schwimmcamp teilgenommen hat. Auch bei Allegra machen sich die ersten Veränderungen der Pubertät bemerkbar und sie verwandelt sich mit ihren elfeinhalb Jahren langsam in eine elegante, grazile, selbstbewusste junge Dame.

Beide unserer Großen hatten im Frühsommer ein großes Abenteuer mit ihrer Kusine bei „Jaja“, der Oma, in Griechenland. Zwei Wochen erlebten sie dort, wie es ist ohne Eltern zu verreisen, eigenständig Dinge zu organisieren und zu klären und sich im sicheren Rahmen alleine zurecht zu finden. Dazu haben Beide ihre Sprachkenntnisse aufpoliert und auch Griechisch lesen und schreiben geübt. Wie schön, dass sie dazu die Möglichkeit und die Unterstützung hatten.

Philomena geht weiterhin unbeirrt ihren Weg. Sie war viel gemeinsam mit mir in der Werkstatt um zu töpfern, zu malen und zu basteln. Sie hat auch zum ersten Mal an einem Sommercamp teilgenommen und dabei richtig gut schwimmen gelernt. Mit Niko hat sie gebastelt und gebaut. Die Erfahrung wie es mit Sieben ist, einmal die Älteste zu sein hat ihr während der Abwesenheit der beiden Großen sehr gut getan und ihre Beziehung zu ihrem kleinen Bruder nachhaltig verbessert.

Sie lernt mit einem Eifer zu lesen und zu schreiben und entwickelt in alldem ihr ganz eigenes System. Bei keinem der anderen Kinder ist mir das so stark aufgefallen wie bei ihr. Ihre Freundinnen werden ihr immer wichtiger und sie schafft es zum ersten Mal, ihre Kontakte zu pflegen. Auch sie kommt mir dieses Jahr sehr gewachsen vor, sie hat nun auch das letzte Kleinkindhafte abgelegt.

Aeneas ist dieses Jahr so richtig drauflos gewachsen und ist nun wirklich so gar kein Baby mehr. Trotzdem genießt er es sehr, das Nesthäkchen zu sein und nutzt das manches Mal aus um von allen bedient zu werden. Er hat sich im Laufe des Jahres immer mehr auch für andere Tiere als Dinosaurier interessiert, war viel mit beim Fischen mit seinem großen Bruder und hat zu Weihnachten und seinem fünften Geburtstag sogar von ihm sein erstes eigenes Aquarium geschenkt bekommen.

Er war immer wieder mit ein paar Tage bei den Großeltern, sogar ohne Allegra. Auf unserer Reise hat er aktiv Freundschaften geschlossen und ist sehr offen und selbstständig auf neue Menschen zugegangen. Er hat begonnen, Pokemon- und Yugi-Oh-karten zu sammeln und hat in Philomena seine Verbündete entdeckt.

Helfer

Abschließend darf ich natürlich auch nicht vergessen, den vielen Helfern von Workaway und HelpX, die auch dieses Jahr wieder ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Projekts waren, von Herzen danke zu sagen. Ohne euch wären wir nicht da, wo wir heute sind!

Ziele & Wünsche 2020

Für das Neue Jahr und das neue Jahrzehnt haben wir bereits einige neue Ideen. Zum ersten Mal überhaupt haben wir für 2020 Ziele definiert, jeder einzeln und auch als Familie, unsere Projekte und den H.O.F. an sich. Ich bin gespannt, was sich Neues entwickeln darf und wohin uns diese aufregende Reise noch bringen wird.

Wir freuen uns, wenn ihr auch in den Zwanziger Jahren noch Teil der MITANANDA Idee seid – danke, dass ihr uns begleitet!

 

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